NAS: Netzwerkfestplatten als Ersatz für Cloud-Dienste?

NAS: Netzwerkfestplatten als Ersatz für Cloud-Dienste?

Kürzlich hat die Stiftung Warentest verschiedene Cloud-Anbieter getestet und dabei ein interessantes Vorgehen angewandt: So wurden neben der regulären Bewertung Mängel hinsichtlich der Transparenz für den Kunden – etwa in der Datenschutzerklärung – mit der Abwertung um eine ganze Note bestraft. So landeten die Branchengrößen wie Dropbox teils ziemlich abgeschlagen auf den hinteren Plätzen des Rankings. Nur: Auf dem Siegertreppchen erscheint an zweiter Position die Magenta-Cloud der Telekom – und die ist hinsichtlich der Sicherheit von Nutzerdaten ziemlich schlecht aufgestellt. Und auch andere Anbieter im oberen Drittel des Rankings weisen teils erhebliche Lücken hinsichtlich der Datensicherheit auf. Letzten Endes bleibt so zumindest der subjektive Eindruck, dass keine Cloud auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Es mag daher naheliegen, sich nach Alternativen umzusehen.

 

NAS – zentraler Speicher am eigenen Router

Eine mögliche Alternative zu Clouds sind nun so genannte Netzwerkfestplatten, kurz NAS – network-attached-storages. Solche Festplatten werden mit dem hauseigenen Router verknüpft und können entsprechend über das heimische WLAN angesteuert werden. Hier lassen sich, genau wie in jeder Cloud, jede Menge Dateien ablegen, für die der Speicher von Tablet und Co. nicht mehr ausreicht.

Der offensichtliche Vorteil: Unsere Dateien bewegen sich erst einmal nur innerhalb unseres eigenen Netzwerks, für Außenstehende ist es also sehr viel schwieriger, auf sensible Informationen zuzugreifen. Der Nachteil: Ohne weiteres kommen wir auch nur im heimischen WLAN an die im NAS abgelegten Dateien heran.

Viele Anbieter von NAS liefern deshalb die Option mit, die Festplatte auch von unterwegs per App anzusteuern. Greifen wir nun vom Internet aus auf unseren heimischen Speicher zu, erstellen wir eine so genannte Private Cloud – der Übergang vom NAS zur Cloud-Lösung ist also fließend.

Im Folgenden wollen wir uns die Grenzen und Möglichkeiten von NAS im Vergleich zur Cloud einmal anhand der Aspekte Zugriffsmöglichkeiten und Sicherheit genauer ansehen.

 

Zugriffsmöglichkeiten

Der Zugriff auf eine Cloud ist denkbar simpel und wird dem Anwender vom Betreiber des Dienstes zur Verfügung gestellt. Wir müssen uns lediglich einen Account bei der Cloud unserer Wahl erstellen, erhalten unsere Zugangsdaten und können uns direkt einloggen.

Bei einer Netzwerkfestplatte sieht die Sache schon ein wenig anders aus: Hier liegt es nämlich an uns, die Zugriffsmöglichkeiten einzurichten. Vom heimischen WLAN aus ist das meist kein Problem, komplizierter wird es allerdings, wenn wir auch von unterwegs aus Zugriff auf unsere Dateien haben möchten. Dann nämlich benötigen wir einen Dynamic DNS Service, kurz DDNS. Vereinfacht gesagt, hat das folgenden Grund: Bei jedem Zugriff auf das Internet bekommt unser dafür genutztes Endgerät eine IP-Adresse zugeteilt – und die muss unser NAS kennen, um uns den Zugriff auf die dort abgelegten Dateien zu gewähren. Damit unsere Netzwerkfestplatte die sich verändernden IP-Adressen entsprechend zuordnen kann, kommt der DDNS ins Spiel. Dieser Service sorgt als eine Art Mittelsmann dazu, dem NAS unsere jeweils aktuelle IP-Adresse mitzuteilen. Anbieter von DDNS gibt es viele, teils betreiben auch NAS-Hersteller ihren eigenen Dienst. Nur: Die Einrichtung eines solchen Services ist nicht ganz trivial und erfordert eine gewisse IT-Kenntnis.

 

Sicherheit

Grundsätzlich liegt die Sicherheit unseres NAS in unserer eigenen Hand – mit allen Vor- und Nachteilen, die dies mit sich bringt. Ein Cloud-Anbieter dagegen liefert uns ein fertiges, mehr oder minder wirksames Sicherheitspaket. Wir müssen ihm diesbezüglich vertrauen, beziehungsweise als Kunde das Vorgehen des Dienstes akzeptieren – alternativ können wir uns nur einen anderen Anbieter suchen.

Die Sicherheit unseres NAS verantworten wir dagegen selbst. Wir müssen also entscheiden, welche Maßnahmen wir ergreifen wollen und wie wir selbige umsetzen können. Auch hierfür sollten wir einige, zumindest grundlegende IT-Kenntnisse mitbringen.

Gehen wir davon aus, dass sich der Cloud-Anbieter wesentlich besser mit IT-Sicherheit auskennt als wir, bleibt dennoch ein zentraler Punkt zu beachten: Es ist für einen Hacker deutlich attraktiver, das Sicherheitssystem eines ganzen Cloud-Anbieters zu knacken – und damit potentiell Zugang zu den Konten von Hundertausenden von Kunden zu erhalten – als sich mit unserem kleinen häuslichen NAS zu befassen.

 

NAS vs. Cloud

NAS und Cloud-Dienste haben ihre Vor- und Nachteile. Der wesentliche Unterschied hinsichtlich der Handhabung beider Möglichkeiten ist sicherlich, dass wir mit der Registrierung bei einem Cloud-Anbieter ein fertiges Komplettpaket geliefert bekommen, wir dagegen beim Kauf eines NAS bezüglich der Einrichtung und Wartung mehr oder minder auf uns allein gestellt sind. Dafür haben wir aber nahezu volle Kontrolle, wie wir hinsichtlich Zugriffsmöglichkeiten und Sicherheit unseres Systems vorgehen möchten. Stichwort Kauf: Gibt es zwar eine mittlerweile recht große Auswahl kostenfreier Cloud-Lösungen, zahlen wir für eine Netzwerkfestplatte definitiv Geld.

Für  technisch versierte Menschen bietet ein NAS zahlreiche Möglichkeiten, seine eigenen Dateien sicher abzuspeichern. Alle anderen greifen vermutlich eher zur Cloud-Lösung. Wer hier auf der sicheren Seite sein möchte, wählt eine Alternative mit Ende-zu-Ende-verschlüsseltem Speicher.

 

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