Am 26. Mai ist Europawahl – Hilft der Wahl-O-Mat bei der Entscheidungsfindung?

Europäisches Parlament in Straßburg

Europäisches Parlament in Straßburg. CC-by-sa 3.0/de by Wikolo

Unser Tablet-Trainer Lennart Küster ist ganz selbstverständlich in der digitalen Welt unterwegs – und warum auch nicht? Es liegt also nahe, dass er sich pünktlich zur Europawahl mit Hilfe des Wahl-O-Mat einen Überblick über die einzelnen Parteien und deren Standpunkte verschaffen wollte. Funktioniert das?

Beim Bürgeramt einen Termin machen, dem Uni-Dozenten eine E-Mail schreiben, wichtige Kalendereinträge verfassen und so weiter… Das sind Dinge, die man heutzutage über Smartphone und Co erledigt. Und, ganz ehrlich: Wir erwischen uns immer wieder dabei, dass wir uns dafür nicht den Raum und die Zeit nehmen, die diese Dinge eigentlich brauchen. Also erledigen wir sie eben schnell beim Einkaufen, auf dem Weg zum Job oder in der Straßenbahn. Es wunderte mich also nicht, als ich mich selbst dabei erwischte, wie ich den Wahl-O-Mat beim Warten auf meinen Zug benutzte. Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich: Hat er tatsächlich beim Warten auf den Zug, die Entscheidung gefällt, wen er bei der kommenden Europawahl wählt? Ich kann Sie beruhigen. Das habe ich nicht. Doch inzwischen ist auch der Wahl-O-Mat smart. Er existiert neben der Website nun auch als App unter Android und iOS und lässt sich somit überall benutzen. Aber der Reihe nach: Was genau ist eigentlich nochmal der Wahl-O-Mat?

Seit dem 3. Mai 2019 können wir das interaktive Wahltool der Bundeszentrale für politische Bildung wieder benutzen. Es soll uns vor allem eine Orientierungshilfe für die kommenden Wahlen, in diesem Fall für die Europawahl, sein. Was es kann, wollen wir uns im Folgenden einmal genauer ansehen.

 

Was bietet der Wahl-O-Mat?

41 zur Wahl stehende Parteien und  politische Vereinigungen haben  zu 38 Punkten Stellung bezogen. Diese Stellungnahmen decken die wichtigsten Themenbereiche der kommenden Europawahl ab. Starten wir als Wähler den Wahl-O-Mat, haben wir die Möglichkeit, mit einem Frage-Antwort-Tool unsere eigene politische Meinung zu den Forderungen zu äußern und sie mit den Antworten der Parteien abzugleichen. So können wir zum Beispiel Statements wie  „Die EU soll sich höhere Ziele zur Reduzierung des CO2- Ausstoßes setzen.“ mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „These überspringen“ beantworten.  Genau wie zuvor alle zur Wahl zugelassenen Parteien.

Mit dem Wahl-O-Mat zur Entscheidungsfindung?

Quelle: Screenshot Wahl-O-Mat, Website

Nachdem wir zu allen Punkten Stellung bezogen haben, können wir unsere Meinung zu den Forderungen auch besonders gewichten. Dazu wählen wir die für uns relevantesten Punkte aus, wodurch diese in der Auswertung später doppelt zählen. Natürlich kann man auch zu jedem Zeitpunkt zu einer bereits beantworteten These zurückkehren und die Antwort ändern.

 

Meine Meinung, deine Meinung

Im Anschluss können wir unsere Position mit bis zu acht Parteien vergleichen. Welche acht Parteien das sein sollen, wählen wir selbst aus. Dazu hilft uns eine kurze Beschreibung des Parteienprofils, das wir erhalten, wenn wir auf das Logo der Partei klicken. Nachdem wir also acht Parteien ausgewählt haben, wird uns das Ergebnis in Form eines Balkendiagramms angezeigt. Hier sehen wir, zu wie viel Prozent unsere Meinung mit jener der Parteien übereinstimmt.

Parteiauswahl Wahl-O-Mat

Einige der Parteien zur Auswahl. Wir haben noch nichts ausgewählt. Quelle: Screenshot Wahl-O-Mat, Website

Außerdem können wir eine PDF-Datei herunterladen, die eine übersichtliche, mehrseitige Liste mit den Antworten aller Parteien zu den einzelnen Punkten enthält. Hier bekommen wir die Begründungen der Parteien zu ihren Antworten auf die einzelnen Thesen zu lesen. So arbeiten wir nach und nach  die einzelnen Punkte durch. Die Begründungen sind direkte Stellungnahmen von den Parteien und dadurch besonders gut zu vergleichen. Es ist dabei besonders interessant, die Beweggründe der verschiedenen Parteien zu erfahren. So kann es sein, dass zwei Parteien die gleiche Position zu einem Punkt vertreten, jedoch komplett verschiedene Gründe dafür anführen. Es lohnt sich also, die Statements genau zu lesen.

 

Wozu sollte der Wahl-O-Mat benutzt werden und wozu nicht?

Dazu schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung ausdrücklich: „Der Wahl-O-Mat ist keine Wahlempfehlung, sondern ein Informationsangebot über Wahlen und Politik.“ Das bedeutet also, dass das Ergebnis des Wahl-O-Mat den Benutzern die Entscheidung weder abnehmen kann noch will. Er soll eine Orientierungshilfe sein und sowohl die Webseite als auch die App sind gespickt mit Links, die uns zur Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung führen, auf der man sich um weitreichende Informationen bezüglich des Wahl-O-Mat und den Parteien bereichern kann. Zwar ist der Wahl-O-Mat im Play Store von Google unter der Rubrik Gelegenheitsspiele zu finden, doch er bietet um einiges mehr als nur Unterhaltung. Ich sah mich also gezwungen, die Nutzung des Wahl-O-Mat beim Warten auf den Zug abzubrechen und mir wirklich Zeit zu nehmen, mich damit zu beschäftigen. Trotz des Unterhaltungsfaktors des Wahl-O-Mat, ist Politik nichts, was man „mal so nebenbei machen“ sollte. Also nehmen auch Sie sich Zeit. Der Wahl-O-Mat und alle damit verknüpften Funktionen sind es wert.

 

Update, 21.05. – 9:15: Der Wahl-O-Mat muss offline gehen. Das Verwaltungsgericht Köln hat der Bundeszentrale für politische Bildung verboten, ihr Angebot weiter zu betreiben. Grund dafür war eine Klage der Volt-Partei, die anprangerte, dass Nutzer ihre Meinung lediglich mit acht Parteien vergleichen könnten. Dadurch würden insbesondere kleinere Parteien benachteiligt.

Update, 25.05. – 18:32: Der Wahl-O-Mat ist wieder online.

 

Ein Beitrag von Lennart Küster

 

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