Gesundheits-Apps: Therapie mit dem Smartphone?

Haben Gesundheits-Apps Potential?

Ob Smartphone, Tablet oder Wearable – kaum jemand läuft ohne technisches Equipment in der Gegend herum. Und das ist durchaus praktisch! Wenn wir alle also ständig mit Handy und Co. unterwegs sind, liegt es doch nahe, die Geräte für einen weiteren sinnvollen Zweck außerhalb von telefonieren und texten zu nutzen – für unsere Gesundheit zum Beispiel. Doch wie nützlich sind Gesundheits-Apps wirklich? Welche gibt es? Und: Was sagen Mediziner dazu?

 

Die Medizin-Palette

Das Angebot an Gesundheits-Apps ist inzwischen ziemlich gigantisch und reicht von Ernährungs- und Fitnesstipps bis hin zu Anwendungen zur Diagnostik. Den Menschen ist ihre Gesundheit wichtig und die Menschen benutzen Apps für alles Mögliche – der Markt ist also da und wird von vielen Anbietern gefüllt. Ein paar Zahlen zur Orientierung: Bereits 2015, also vor vier Jahren, listete Apples App Store weit über 100.000 Gesundheits-Apps, wie damals eine vom Bundesgesundheitsministerium finanzierte Studie feststellte. Das zugehörige Marktvolumen ist gigantisch: Knapp 15 Milliarden Dollar geben die Autoren derselben Studie für das Jahr 2015 an – Tendenz stark steigend.

Stichwort "Gesundheit" im deutschen App Store

Stichwort „Gesundheit“ im deutschen App Store. Quelle: Screenshot App Store

 

Wie sinnvoll sind Gesundheits-Apps?

Solche Zahlen belegen: Die Menschen wollen Gesundheits-Apps. Die Frage ist allerdings, inwieweit derartige Anwendungen überhaupt nutzen. An dieser Stelle wird die große Auswahl zum Problem. Denn: Es fehlt an verlässlichen Bewertungen. Zwar kann sowohl im App- als auch im Play Store jeder Nutzer seine Meinung zu einer Anwendung kundtun. Gerade im Gesundheits-Sektor allerdings wäre oft eine fundierte, eine medizinische Meinung zu einer App sinnvoll. Arzneimittel oder therapeutisches Gerät werden schließlich auch Tests unterzogen.

Natürlich kann jeder an Ernährung Interessierte feststellen, ob eine App, die Hilfe beim Abnehmen verspricht, Potential hat, oder eben nicht. Genauso werden Fitness-Begeisterte fundierte Meinungen zu Anwendungen abgeben können, die unser Training unterstützen. Somit ist es aber nur logisch, dass es eben Ärzte sein sollten, die Apps aus den Bereichen Diagnostik oder medizinischer Therapie bewerten. Dass dies nicht ohne weiteres zu leisten ist, liegt auf der Hand

 

Es fehlen Bewertungskriterien

Ganz grundsätzlich fehlen Bewertungskriterien. Apple zum Beispiel legt einige Qualitätskriterien fest, die Apps erfüllen müssen, sollen sie für das hauseigene iOS-Betriebssystem angeboten werden. Auch die Konkurrenz von Google legt ein gewisses Maß an Voraussetzungen für Android-Anwendungen an, die Messlatte liegt hier aber deutlich tiefer als bei der Konkurrenz von Apple. Beiden gemein ist allerdings, dass sich derartige Kriterien auf Dinge wie Daten- und Nutzersicherheit, Speicherverbrauch oder das stabile Laufen der App beziehen. Das alles ist zwar wichtig, hilft auf medizinischer Ebene allerdings nicht.

Die Autoren der Studie von 2015 forderten deshalb bereits vor vier Jahren die Einführung einheitlicher Kriterien für die Entwickler von Gesundheits-Apps. So sollten Nutzer etwa über konkrete Inhalte, über Chancen und Grenzen der Anwendung aufgeklärt werden, ebenso aber Informationen darüber erhalten können, wer die Entwicklung eigentlich finanziert hat.

 

Gesundheits-Apps haben Potential

Das alles soll nun aber nicht heißen, dass Gesundheits-Apps per se schlecht sind – ganz im Gegenteil. Wer sich eine entsprechende Anwendung herunterlädt, demonstriert erst einmal den Willen, irgendeinen Aspekt seiner Gesundheit zu verbessern. Das kann heißen, dass der Nutzer abnehmen möchte, oder auch dass er fest entschlossen ist, eine Krankheit zu besiegen. Ist die App erst einmal auf dem Smartphone, ist sie ständig vor Augen – das motiviert. Viele Mediziner sehen großes Potential darin, Smartphone-Nutzung und Gesundheitsbewusstsein zusammenzuführen; zumindest in Teilen.

Die tatsächliche Auswirkung von Gesundheits-Apps ist allerdings noch nicht erforscht. Für eine Langzeitstudie ist der Markt noch nicht alt genug; vieles wird also die Zukunft zeigen müssen.

 

Die richtige App finden

Wenn Gesundheits-Apps also Potential haben, wie finden wir uns dann innerhalb des riesigen Angebots zurecht und machen die Anwendungen aus, die gut für uns sind? Zwar gibt es noch keine der geforderten allgemeingültigen Kriterien zur Bewertung der Apps auf gesetzlicher Basis, inzwischen stehen aber verschiedene Websites zur Verfügung, die Nutzern die Entscheidung erleichtern und Entwicklern dabei helfen sollen, eine gute App auf den Markt zu bringen.

Die Bertelsmann-Stiftung etwa betreibt das Portal Der digitale Patient. Hier finden sowohl potentielle Nutzer Empfehlungen, welche Anwendung für sie in Frage kommt, als auch Entwickler Gütekriterien, die nach Meinung der Stiftung eine App im medizinischen Bereich erfüllen sollte.

 

Und in Zukunft?

Der Markt für Gesundheits-Apps ist gigantisch – trotzdem steckt er in weiten Teilen noch in den sprichwörtlichen Kinderschuhen. Angebote wie das der Bertelsmann-Stiftung zeigen aber, dass sich etwas tut. Ziel kann und sollte es nämlich nicht nur sein, eine möglichst große Auswahl an Apps anzubieten. Es sollten vielmehr Gütekriterien angelegt werden, um Apps wirkungsvoll bewerten zu können. Um Patienten besser beraten zu können, wären außerdem digitale Weiterbildungen für medizinisches Personal denkbar.

 

Auch interessant:

Gesundheit: So wird Big Data in der Medizin eingesetzt

 

 

 

 

Die Smartwatch: Ein Wearable-Produkt, das wir jeden Tag am Handgelenk tragen sollten?