Infarm: Ein Berliner Startup bringt Indoor-Gemüsegärten in die Städte

Infarm bringt den Gemüseanbau zurück in die Städte.

Wer in der Stadt lebt, gehört zu einer Mehrheit. Vor gut zehn Jahren lebten Schätzungen zufolge zum ersten Mal mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Dass sich die hierhinter stehende Entwicklung fortsetzt, vermag nicht zu verwundern. All die Menschen in unseren Städten wollen allerdings auch versorgt werden; zum Beispiel mit frischem Gemüse. Und hier kommt Infarm ins Spiel: Das Berliner Startup bringt mit speziellen Gewächshäusern den Anbau von Nutzpflanzen zurück in die Stadtzentren.

 

In der Stadt, auf dem Land

Infarm, das sind drei junge Israelis, die vor einigen Jahren nach Berlin zogen, um ihre Geschäftsidee  zu verwirklichen. Und das haben sie getan. Ihrem Unternehmen liege einige, eigentlich sehr simple Gedanken zugrunde: Städten fehlt es an Platz, um Gemüse anzubauen. Die Menschen in den Städten allerdings möchten gern frische Lebensmittel essen, viele würden sich außerdem freuen, ihren eigenen Garten zu betreiben, wie sie es vielleicht von ihren Eltern und Großeltern kennen. Viel vermeintlich frisches Gemüse etwa kommt aus Spanien oder sogar Afrika nach Deutschland, es legt auf dem Weg zum Verbraucher tausende Kilometer zurück. Es wäre also sehr viel nachhaltiger, es einfach direkt in der Stadt anzubauen – wenn denn das leidige Platzproblem nicht wäre.

Genau hier setzt Infarm an. Denn: Die drei Gründer haben eben jenes Problem gelöst. Infarm verspricht den nachhaltigen Anbau von Kräutern und Gemüse in urbanisierten Gegenden. Oder anders gesagt: Infarm will den Städten zeigen, wie sie zum Selbstversorger werden können. Ganz so wie damals auf dem Dorf also.

 

Indoor-Gewächshäuser

Dieses so traditionell anmutende Ziel erreicht Infarm mit modernster Technik: In Indoor-Gewächshäusern wird mittels Hydrokulturen frisches Gemüse angebaut. Ohne viel Chemie, ohne superkünstliche Zusätze. Und: ganz ohne Sonnenlicht. Der Clou des Systems ist nämlich seine universelle Einsetzbarkeit. Es werden keine großen Freiflächen benötigt, das Gemüse kann in abgeschlossenen Räumen wachsen. In den Indoor-Gewächshäusern von Infarm stehen die Pflanzen unter LED-Licht in Regalen. Ihre Wurzeln werden mit Wasser und einer speziellen Nährlösung versorgt. Alles wird penibel kontrolliert: die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, der PH-Wert des verwendeten Wassers, alles muss exakt stimmen.

Während der Anbau in Hydrokulturen Wasser und vor allem Düngemittel spart, stellen die Energiekosten auf lange Sicht vielleicht ein Problem dar: Zwar sind die von Infarm verwendeten LEDs schon sehr viel effizienter als herkömmliche Pflanzenlampen, das gute alte Sonnenlicht allerdings ist umsonst. Dennoch: Das so genannte Indoor-Farming ist ein Wachstumsmarkt bedeutenden Ausmaßes. Erst kürzlich hat das Unternehmen von verschiedenen Investoren satte 88 Millionen Euro eingesammelt!

 

Infarm – eine Idee, die sich auszahlt

Angefangen haben die drei Gründer mit einer Etage in einer umgebauten Fabrikhalle, heute errichten sie Gewächshäuser, die größer sind als ihr erstes Büro. Ihre Kunden sind derzeit Unternehmen, die allerdings kommen nicht allein aus der Lebensmittelindustrie. In Berlin etwa kann man eines der kleineren, modern designten Gewächshäuser in einem Nobelhotel bewundern. Das angebaute Gemüse wird übrigens sowohl an den Einzelhandel vertrieben, als auch im hauseigenen Restaurant für Gäste zubereitet.

Dabei hatte zu Beginn keiner der Drei so wirklich Ahnung von Pflanzenzucht. Nach Berlin gekommen sind sie mit wenig mehr als einer Idee. Die deutsche Hauptstadt erschien den Gründern bestens geeignet, das Projekt anzugehen: Das sonnenbeschienene Israel bot sich nicht wirklich für Indoor-Farming an – Berlin allerdings hat offenbar die richtige Mischung aus Offenheit für neue Ideen und schlechtem Wetter.

 

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